kein erfolg trotz seo

Die Absätze sind in kurze Häppchen unterteilt und so leicht zu lesen.

Don´t believe the Prophets

Als hauptberuflicher SEO und Online Marketer, auch wenn ohne Anspruch auf den Titel „Experte“, kommt man zwangsläufig mit vielen Werbeagenturen und Freelancern in Berührung. Mal aufgrund einer Konkurrenzanalyse, weil man sich fragt, wer dieses oder jenes verbrochen hat, mal weil ein Bekannter um ein kurzes SEO Audit, oder einen Blick über ein Angebot bittet.

Das Schönste für die Agentur und gleichzeitig Schlimmste für den Kunden an dem Überangebot von unglaublich selbstbewussten Online-Marketing-Anbietern ist ja, dass die Kunden meistens gar keinen Plan von der Thematik haben.

Wo man bei den angebotenen Dienstleistungen rund um den Bau einer Website noch selbst mitgestalten bzw. seinen eigenen Geschmack mit einfließen lassen kann, ist das beim Online-Marketing im Detail nicht so einfach. Erstens, ist hier der eigene Geschmack oft nicht repräsentativ und zweitens, weiß man einfach viel zu wenig von der Materie selbst.

Und so kann jeder mit einem Internetanschluss und einer gesunden Hand für das Setzen der Unterschrift bei der Gewerbeanmeldung Gründer einer Werbeagentur werden. Genauso kann jemand, der seit 20 Jahren mehr oder weniger die gleichen nicht funktionierenden Webseiten für seine örtlichen Kunden baut, seinen Service um den Zusatz „Online-Marketing“ erweitern. Dann schreibt man noch so etwas wie „SEO/SEA Manager nach IHK“ auf seine für Google praktisch unsichtbare Website und schon gehts los.

SEO Agenturen und Freelancer

Schon 2018 hat Ahrefs eine wunderbare und gleichzeitig erschreckende Studie mit dem Titel „91% of Content Gets No Traffic From Google“ veröffentlicht, in dem es um die unheimlich vielen Seiten geht, die gar keine (0,00!) direkten Besucher über die Google-Suche erhalten. Dem wirtschaftlich relevantesten Marketing-Kanal.

Das ist unter anderem eine der Auswirkungen der unprofessionellen Herangehensweise von Werbeagenturen und Webdesignern weltweit.

Seiten werden nicht aufgrund von relevanter Recherchen und mit dem Zweck eines wirtschaftlichen Erfolgs gebaut, sondern damit man dem Kunden etwas vorzeigen und schnell abrechnen kann.

Man eröffnet doch auch keinen leeren Supermarkt mitten im Wald ohne Zuwege für Kunden. Okay, ein paar Stammkunden werden mit einer Machete bewaffnet schon irgendwie durchkommen, aber neue Kunden verirren sich nur selten bis gar nicht. Online geschieht genau das jeden Tag. Irrelevante Unterseiten ohne wirklichen Nutzen für einen potentiellen Kunden werden gebaut um niemals von genau diesen gefunden zu werden.

90.63 % der Seiten im erhalten keinen organischen Traffic.

Warum ist das so?

Das möchte ich kurz an einer repräsentativen Geschichten eines Interessenten meines Angebots erzählen. Ich halte mich kurz, denn mein Vorgehen und vieles mehr erzähle ich im Laufe der nächsten Beiträge noch genauer.

Dieser Interessent, ein Bekannter eines Bekannten, hatte mich aus unterschiedlichen Gründen gebeten, seine Firmen-Webseiten durch zu checken. Als guter Mensch und Anhänger der sehr geschichtsträchtigen „Eine Hand wäscht die Andere“-Bewegung habe ich ungefähr 4 Stunden für einen halb detaillierten Check investiert. Folgende Punkte haben direkte und indirekte Auswirkungen auf die Positionierung bei Google und die Conversion.

Unstimmigkeiten in Kurzform

  1. Willkürlicher Einsatz von Keywords in gewollt langen Texten ohne echten Mehrwert für potentielle Interessenten. Kunden und Google erkennen weder USP, noch das volle Leistungsspektrum der Produkte und Dienstleistungen.
  2. Technische Fehler auf mobilen Geräten.
  3. Veralteter Google My Business Eintrag ohne relevanten Inhalt.
  4. Oben erwähnte „tote“ Seiten ohne Inhalt und ohne Besucher über Google. Selbst wenn sich ein Kunde verirrt, sind die Informationen zu unrelevant oder zu unspezifisch.
  5. Grafische Unstimmigkeiten wie heller Text auf hellem Bild, Bilder die nicht zum Thema und Text passen und mehr.
  6. Doppelte Überschriften (H1), doppelte und dreifache (Meta-)Beschreibungen von indexierten Seiten und mehr.
  7. Indexierte Demo-Seiten aus Zeiten der Entwicklung.
  8. Fehler bei der kaum vorhandenen internen Verlinkung.

Onpage & Technische SEO Fehler

Okay – jetzt weiß ich, dass bei demjenigen die Werbeagentur eine monatliche Pauschale von 700 € für Pflege und SEO abrechnet. Vielleicht läuft einmal im Monat die Putzfrau durch den Server-Raum, oder welche Pflege ist gemeint?

So weit, so gut: Das ist im Grunde nichts ungewöhnliches.

Fünfstellige Beträge fließen monatlich in Offline-Werbung.
Es hängt ein riesen Plakat irgendwo in der Stadt. Man darf davon ausgehen, dass die aller meisten Menschen, die dort vorbeilaufen, nicht der richtigen Zielgruppe (Wohlhabend und direkt an seinem Produkt) entsprechen. Sicherlich sind Personen dabei, die 1. wohlhabend aber nicht an seinem Produkt interessiert sind und 2. auch Personen die nicht wohlhabend aber an seinem Produkt interessiert sind. Ein ziemlicher Streuverlust also.

Niemand weiß, wie viel von den Menschen aufgrund dieses Plakats in den Laden oder auf die Webseite kommen. Gib mir doch einfach das Geld und ich schreie deinen Firmennamen laut in die Menge – sollte ähnlich wirken.

Achtung, wir sprechen hier von keiner geplanten Branding-Kampagne, womit man dieses Vorgehen vielleicht noch irgendwie erklären könnte, sondern der einzigen Marketing-Kampagne.

Mein nicht ungewöhnlicher Tipp: Schraub die Offline-Marketing-Maßnahmen aufs Minimum runter und investiere dieses frei gewordene Budget testweise in Online-Marketing.

Vorteile von SEO & Online Marketing

Ich nenne ihm die möglichen Vorteile einer sauber ausgerichteten SEO- und Online-Marketing-Kampagne:

  1. USP: Perfekt abgestimmte Einstiegsseiten für Kunden, damit direkt klar ist, was dich ausmacht, was du ggf. besser machst als deine Konkurrenz.
  2. Direktes Targeting: Deine Werbung sehen ausschließlich Menschen, die sich genau für deine Leistungen/Produkte interessieren. Sucht also jemand nach z.B. „Gurkenglas aus gold“, bist du da um dem Kunden dein Angebot zu zeigen. Sie laufen nicht zufällig an deiner Anzeige vorbei, sondern weil sie explizit danach suchen. Langfristig über die organische Google Suche und auf Wunsch direkt über Google Ads.
  3. Analyse & Reaktion: Und jetzt kommt das Beste: Du kannst tracken, wann welcher Kunde über welchen Kanal auf deine Website kommt und was genau er dort macht. D.h. selbst wenn eine Kampagne nicht funktioniert, weißt du es just in time und kannst dementsprechend reagieren bzw. optimieren.

Das Beispiel „Gurkenglas aus gold“ ist frei erfunden.

Der Kunde ist begeistert: „Hört sich super an, ich mache einen Termin mit meiner Agentur um darüber zu sprechen!“

Wichtig zu wissen: Zu diesem Zeitpunkt bin ich nicht interessiert und auch nicht in der Lage diesen „Bekannten eines Bekannten“ als Kunden abzuwerben!

Wochen später, als ich gerade mit einem Cappuccino auf dem Parkplatz des örtlichen Edekas stehe und auf meine bessere Hälfte warte, klingelt mein Telefon.

Er erzählt mir von dem Gespräch mit seiner Werbeagentur. Hebt hervor, dass wenn man nach seinem Firmennamen sucht, er mittlerweile auf der ersten Seite angekommen ist. Dass viele Besucher nur dann gut sind, wenn sie auch wirklich interessiert sind. Dass die Agentur auch hunderte von Besuchern auf die Seite leiten kann, die aber wahrscheinlich kein Interesse haben werden.

Und noch einige andere Punkte, die nichts mit dem bescheidenen Zustand der Sichtbarkeit seines Unternehmens zu tun haben. Auch wenn er trotzdem, was ja nur für mich spricht, interessiert an meinem Service ist, hängt er in einem Vertrag fest, der ihn noch ein weiteres Jahr bindet. Und noch länger, wenn er diesen nicht rechtzeitig kündigt. Das ist nicht untypisch für Agenturen. So lässt sich auch bei schlechter Leistung viel Geld verdienen.

Wir arbeiten nur in Ausnahmefällen mit langfristigen Verträgen.

Die meisten unserer, auch jahrelanger, Kunden sind an keine Vertragslaufzeiten gebunden. Weil wir mit guter Arbeit überzeugen wollen.

Pfiffige Leser werden gemerkt haben, dass es sich bei den Argumenten seiner Werbeagentur nicht nur mit meinen Worten oben beißen, sondern auch, dass sie nicht aus dem Mund eines Online-Marketers kommen. Genauso wie in diesem und noch vielen anderen Beispielen aus unserer Praxis, handelt es sich um Full-Service-Agenturen, die Webseiten bauen, Imagefilme machen, Flyer gestalten und eben Online Marketing anbieten. Wer mal in einer Pommesbude versucht hat Nudeln mit Lachs zu bestellen, weiß genau wovon ich rede.

Wozu dann überhaupt dieser Text? Bin ich sauer? ist meine Ehre gekränkt? Nein – und auch wenn ich mir niemals anmaßen würde mich selbst einen Experten zu schimpfen, sind das sichtlich unschöne Zustände für eine ganze Branche.

Natürlich ist diese Geschichte nicht repräsentativ für viele wirklich tolle Werbeagenturen und Freelancer. Da diese sich aber leider in klarer Unterzahl befinden, ist das eben ein großes Problem der Szene.

Ich möchte nur auf einen Misstand hinweisen, der aufgrund einer unglaublich schnelllebigen und schwer greifbaren Branche zu vielen Missverständnissen führt. Immerhin hat jeder Zugang zu den gleichen Analyse-Softwares, jeder hat Zugriff auf alle Ratgeber zum Thema. Warum hat dann nicht jeder Erfolg?

 

Update 23.Mai 2020

Dieser Artikel ist nun über 12 Monate alt und der oben beschriebene Bekannte ist heute unser Kunde. Das war damals nicht abzusehen.

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